Domsanierung geht in entscheidende Phase

Bischofskirche der Diözese Innsbruck von Mai bis November geschlossen – Alte Spitalskirche in der Maria-Theresien-Straße ist Ausweichquartier

Seit knapp 300 Jahren ist die ehemalige Stadtpfarrkirche St. Jakob Wahrzeichen für die Tiroler Landeshauptstadt und seit 1964 als Dom wichtigste Kirche für die Diözese Innsbruck. Im Blick auf das Jubiläum „300 Jahre St. Jakob" 2024 befassen sich die Verantwortlichen bereits seit 14 Jahren mit der Sanierung. Diese geht im heurigen Sommerhalbjahr in eine entscheidende Phase, die eine längere Schließung notwendig macht: Am Sonntag, 1. Mai 2022, wird um 11:30 Uhr im Dom die vorerst letzte Hl. Messe gefeiert. Um 18 Uhr sind zum Schluss der Maiandacht alle zu einer Prozession mit der Übertragung der konsekrierten Hostien in die Spitalskirche eingeladen. In der Folge werden alle Gottesdienste statt im Dom bis voraussichtlich 26. November 2022 in der Alten Spitalskirche in der Maria-Theresien-Straße gefeiert. Davon ausgenommen sind das Pfingstfest und der Fronleichnamsgottesdienst.

Die Planungen zur Sanierung am und im Innsbrucker Dom reichen weit zurück: „Bereits 2008 wurde am Nordturm eine Musterachse erstellt, um herauszufinden, wie in weiterer Folge die steinsichtige Westfassade zu sanieren ist", so Dompfarrer Propst Florian Huber. Auf diesen Erfahrungswerten und weiteren Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt basierend startete nach Erstellung eines Finanzierungskonzeptes schließlich im Jahr 2016 die sukzessive Umsetzung der dringend notwendigen Arbeiten: Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten an der Steinfassade, Reinigung der dort befindlichen Steinfiguren, Instandsetzung der Ziffernblätter und Zeiger der Uhren, Ausbesserungsarbeiten am Dach, Ergänzung und teilweise Erneuerung des Blitzschutzes sowie Sanierung des Sockels. Weithin sichtbar war dabei die Einrüstung für die Arbeiten im Bereich der 51,5 Meter hohen Türme bei der Neuvergoldung der Turmkugeln. Mit dem Guss einer neuen Glocke, der feierlichen Weihe und der Einbringung in den Turm konnten die ersten Arbeiten abgeschlossen werden. Über die Finanzierung der bisherigen Bauabschnitte zieht Propst Huber Bilanz: „Für die erfolgten Arbeiten wurde ein Betrag in der Höhe von EUR 2.720.084,49 mit Stand vom 16.03.2022 ausgegeben. Dank der Unterstützung seitens der Diözese Innsbruck, der Stadt Innsbruck, des Landes Tirol, der Landesgedächtnisstiftung und des Bundesdenkmalamts sowie aus Eigenmitteln der Dompfarre sowie Spenden konnten diese Sanierungsarbeiten umgesetzt werden."

Es gibt weiterhin viel zu tun: Vier Baulose müssen ab 2022 noch absolviert werden
Aufgrund der Verschmutzungen durch ca. jährlich 800.000 BesucherInnen vor der Pandemie in den letzten 30 Jahren seit der Innenrestaurierung und wegen des unvermeidlichen Staubeintrages bei der Fassadensanierung muss in der Kirche ein Gerüst errichtet werden, um die Reinigung des Innenraumes, vor allem an den Fresken, vorzunehmen. Schon im Jahr 2021 wurde im Inneren des Doms mit der teilweisen Erneuerung der von vielen schon lange angemahnten schlechten Beleuchtung begonnen. Das Gerüst bietet eine gute Möglichkeit für die Vervollständigung der Beleuchtung. Im Altarraum und im vorderen Teil des Kirchenschiffes befindet sich noch größtenteils jener Steinboden, der bei der Erbauung der Stadtpfarrkirche St. Jakob 1717 - 1724 verlegt wurde. Eine aufwändige Sanierung steht hier dringend an. Um die statische Situation zu beurteilen, wurden eine Georadarmessung sowie eine archäologische Untersuchung vorgenommen. „Es hat sich gezeigt, dass der Untergrund trägt und der Erhalt des Steinbodens folglich möglich ist", erklärt Bauleiter Franz Kronberger. Schlussendlich werden die Sanierung und geplante Neugestaltung des Eingangsbereichs am Domplatz niemand, der diesen Platz besucht, entgehen. „Die Arbeiten in oder an einem Gotteshaus sind immer geprägt von Respekt gegenüber der Bausubstanz und Demut vor dem Herzblut, das die Erbauer und Künstler in diese Bauwerke gesteckt haben. Für einen so prächtigen Sakralbau wie dem Innsbrucker Dom gilt dies umso mehr. Der Dom zu St. Jakob wird zurecht als ‚Tirols Barockjuwel' bezeichnet. In der Außenerscheinung zeigt der weithin sichtbare Sakralbau seine dominante Position im Stadtbild. Das Innere beeindruckt besonders durch die Scheingewölbe mit den bemerkenswert perspektivischen Fresken und Stuckaturen der Brüder Asam und die prachtvolle Ausstattung", so Kronberger.

Die Baukosten bleiben eine Herausforderung
„Natürlich wurde die Kostenermittlung am Beginn der Sanierungsarbeiten nach damaligem Wissensstand vorsichtig kalkuliert", sagt Propst Huber. Und weiter: „Die Annahmen von damals haben sich allerdings durch neue Erkenntnisse in einigen Bereichen grundlegend verändert. Das betrifft die Reinigung des Innenraumes, die damals von der Annahme ausgegangen ist, mit einem Steiger günstig und nur mit einer Sperre von Teilbereichen des Domes arbeiten zu können. Die Statik des Bodens taugt dafür aber nicht. Die differenzierte Untersuchung unseres wertvollen alten Steinbodens führte auch zu erheblichen Steigerungen der restauratorischen Maßnahmen. Für die notwendige Sanierung des Eingangsbereiches am Domplatz soll eine Rückkehr zur ursprünglichen Gestaltung mit einer konvexen Ausformung erfolgen. Dazu braucht es für die Fundamentierung Zeit für archäologische Grabungen für sehr wahrscheinliche Grabfunde. Diese Grabungen können während der für die Innenreinigung und Steinbodenrestaurierung notwendigen Schließung des Domes problemlos vorgenommen werden. Diese Zeit kann auch gut für eine Entscheidung der maßgeblich Beteiligten für die in Aussicht genommene Gestaltung des gesamten Domplatzes genützt werden, der mit dem Neubau der Stadtpfarrkirche St. Jakob Anfang des 18. Jahrhunderts durch den Ankauf von zwei Häusern durch die Stadt Innsbruck und deren Schleifung geschaffen worden ist. Wie sich der Eingangsbereich des Domes dabei präsentiert, ist sicher ein wesentlicher Faktor. Alle diese Maßnahmen erbringen im Vergleich zur bisherigen Kostenschätzung von ca. EUR 3,6 Millionen Mehrkosten von ca. EUR 1,9 Millionen, somit eine Gesamtsumme von ca. EUR 5,5 Millionen. Zur Sicherstellung der Finanzierung bedarf es noch einiger Gespräche. Klar ist dabei: Subventionen und Eigenmittel werden nicht reichen, um alle Kosten abzudecken. Um dieser Situation aktiv zu begegnen, werden wir all jenen, denen unser Dom zu St. Jakob als Wahrzeichen und als ein Dach über der Seele ein Anliegen ist, die Möglichkeit geben, einen Beitrag für die Sanierung zu leisten."

Bischof Hermann Glettler: „Der Dom geht uns alle an"
„Der Innsbrucker Dom überzeugt durch seine organische Gesamtinszenierung – Architektur, Altäre, Statuen, Stuckatur und Fresken greifen ineinander über. Alles spielt mit allem zusammen – Irdisches und Himmlisches, die menschlichen Tränen und die Verherrlichung Gottes. Diese sofort fühlbare organische Zusammengehörigkeit berührt in unserer nervösen Zeit, in der so vieles bruchstückhaft und sinnlos nebeneinander zu existieren scheint", so Bischof Hermann Glettler.
Unzählige Menschen besuchen täglich den Dom und erfreuen sich an der Schönheit der Tiroler Bischofskirche. Die herrlichen Fresken und Stuckaturen der Brüder Asam zeigen einen offenen Himmel, in dem der Schutzpatron Innsbrucks als höchst aktiver Fürbittender, als Wegbegleiter und Kämpfer für Gottes Reich dargestellt ist. „Leider haben sich die Wände und Fresken im Laufe der Zeit durch Schmutz und Ruß verdunkelt, sodass sie Teil der nun notwendigen Sanierung sind. Am 9. September 2024 wird der Innsbrucker Dom, der wie sein spätgotischer Vorgängerbau dem Hl. Jakobus geweiht ist, 300 Jahre alt sein. Die jetzt anstehende Sanierung ist ein Schritt der Vorbereitung auf dieses Jubiläum, aber nicht der einzige. Die offensichtliche Pilgertradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht, verpflichtet uns mehr denn je zu einer Offenheit gegenüber allen Menschen – ganz egal, ob sie als Gläubige oder nur als Kunstinteressierte kommen. Ich denke speziell an die ‚postmodernen Pilger', also die suchenden, kirchenkritischen, aber spirituell aufgeschlossenen Menschen unserer Zeit, die in den christlichen Sakralbauten mit ungebrochenem Interesse Zuflucht nehmen", führt der Bischof aus.


„Der Dom, der auf einer der großen europäischen Pilgerrouten nach Santiago in Spanien liegt, geht uns alle an. Er steht nicht nur der einheimischen Bevölkerung für das persönliche Gebet und schön gestaltete Gottesdienste zur Verfügung, sondern auch den vielen Gästen und Touristen, die nach der Pandemie auch wieder zahlreicher kommen werden. Ich danke jetzt schon allen, die die Entwicklungen rund um unseren Dom mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen begleiten", so Glettler abschließend.
Der Dom während der Bauzeit: „Jahrhundertchance" zur Besichtigung der Deckenfresken
Auf das Geläut zu den üblichen Tageszeiten müssen Einheimische und Gäste auch in der kommenden Bauphase nicht verzichten. „Während im Inneren auf Hochtouren gearbeitet wird, bleibt unser Dom weiterhin vernehmbar. Die Glocken läuten auch während der Bauzeit wie gewohnt täglich um 07:55 Uhr, um 12:00 Uhr und um 19:30 Uhr zum Gebetsläuten. Um 12:15 Uhr ist das Innsbrucker Friedensglockenspiel im Nordturm mit „Maria breit den Mantel aus" zu hören. Ab 07:00 Uhr bis 22:00 Uhr wird jede Viertelstunde und jede volle Stunde angeschlagen", erklärt Huber. Darüber hinaus steht das Gotteshaus für Besichtigungen auch während der Schließmonate immer wieder zur Verfügung – interessant sicher nicht nur für Kunstaffine. Da wäre als erstes eine vom Verein „Journalismusfest Innsbruck" im Rahmen einer internationalen Tagung organisierte und verantwortete Ausstellung des renommierten Fotojournalisten Gideon Mendel im Kirchenschiff über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen zu nennen. Vom noch nicht eingerüsteten Kirchenschiff kann auch der Bau des Gerüsts im Altarraum beobachtet werden. Ein Zugang ist von Freitag, 13. Mai, bis zum Donnerstag, 19. Mai 2022, jeweils von 10:30 – 18:30 Uhr (am Sonntag, 15. Mai, ab 13:00 Uhr) möglich. Ebenfalls im Innenraum – und zwar auf dem Gerüst, das zur Reinigung errichtet wird – wird es von Ende Juni bis Mitte Oktober die einmalige Gelegenheit geben – „eine Jahrhundertchance", meint Propst Huber – die Deckenfresken aus nächster Nähe zu betrachten.

Alle Interessierten sind eingeladen, die nächsten Schritte der Domsanierung über die Homepage zu begleiten.

Impressionen der Pressekonferenz am 5. April 2022

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Adresse

Propstei- und Dompfarre St. Jakob
Domplatz 6
A-6020 Innsbruck in Tirol
Österreich
+43 512 583902

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Öffnungszeiten

Öffnungszeiten des Domes: Der Dom bleibt vom 02.05. bis voraussichtlich 26.11.2022 wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen.

Öffnungszeiten Pfarrbüro: werktags von Montag bis Freitag, 09:00 - 12:00 Uhr,
Domplatz 6, +43 512 583902

Besichtigungen

sind aufgrund der Domschließung vom 02.05. bis 26.11.2022 nicht möglich. Die Gottesdienste werden in der Alten Spitalskirche gefeiert.

Besichtigung der Fresken - eine Jahrhunderchance: Montag bis Donnerstag, 11:00 bis 17:00; Freitag: 11:00 bis 19:00 Uhr. Details dazu finden Sie hier.

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